Mallorca - Hotel Cap de Mar

Einleitung - Mein Status: Was kann ich, was mache ich

  • Ich bin 49 Jahre.
  • Ich sitze nach Schlaganfall (mit Gehirnblutung, Schädeldeckelöffnung,Tiefschlaf) seit 02/2011 im Rollstuhl
  • Ich bin linksseitig gelähmt kann aber mit 4-Punktstock ohne Hilfe bis zu 100 m frei gehen.
  • Ich kann alle Transfers vom Rollstuhl ins Bett, auf ein behindertengerechtes WC, freies Sitzen, selbständig durchführen.
  • Dies war mein erster Flug nach dem Schlaganfall: Von Wien nach Mallorca mit Austrian Airlines, ins Hotel Cap de Mar, Cala Bona (barrierefrei, Halbpension) inkl. Transfer alles gebucht über Reisebüro ReiseMeer.at in Linz.
  • Ich möchte nun den Ablauf des Urlaubes beschreiben

Auswahl des Reiseziels

Hier wurde uns Spanien auf Grund der behinderten gerechten Ausführungen und der Nähe bei Flügen empfohlen. Meine Frau wollte dort immer schon mal hin. Ich eher nicht. Wir flogen in Summe mit vier Freunden, also zu sechst, in den Urlaub. Die Wahl auf das Hotel fiel als Kompromiss mit unseren Freunden, wurde aber vom Reisebüro empfohlen.

Vorbereitungen

Da ich zwei Rollstühle - einen E-Rolli, 100 kg Eigengewicht, und einen mechanischen Rollstuhl, faltbar, ca. 25 kg - und meine Therapieplatte zum Auflegen der Hand sowie eigenen Duschsessel mitnehmen wollte, kam doch ein wenig Gepäck zusammen. Ich sollte noch nebenbei erwähnen, ich habe selber 130 kg, bin also nicht so ganz einfach zu transportieren.

Die Planungen für Transport vom Flughafen zum Hotel und zurück (je ca. eine Stunde Fahrzeit) machte das Reisebüro. Auch die Anmeldung der Rollstühle sowie die Anforderung des Mobilitätsservice bei der Airline wurde durch das Reisebüro durchgeführt. Zur Sicherheit machten wir vorab einen Besuch am Airport beim Mobilitätsservice, um zu sehen wie das so vor sich geht.

Am Tag des Abfluges

Es gibt im Parkhaus 3 in Ebene 2 oder 3 (ist angeschrieben) eine eigene Ebene mit unzähligen Behindertenparkplätzen für § 29 b Ausweisbesitzer. Man muss aber sagen, dass das doch recht teuer ist (Anm. roomchooser: Bei der Vorlage des Ausweises an der Parkaus-Kassa erhält man eine Ermäßigung von 50 %). Und der Weg vom Parkhaus bis zum Check-In 3 dauert sicher einige Minuten. Wir fuhren daher mit dem Fahrtendienst hin und zurück (ca. gleichpreisig wie Parkhaus für eine Woche: Transport EUR 2 x 75,--).

Es gibt im Terminal 3 einen eigenen check-In für Rollstuhl-Fahrer. Hier checkt man den E-Rolli (Banderole) und den zweiten Rollstuhl wie normale Koffer ein. Auch der Therapietisch bekommt ein Label. Das Gepäck verschwindet am Band. Bordkarten werden übergeben. Ca. 1,5 Std. vor Abflug kommt der Assistance Service Mitarbeiter wieder. Geht mit Ihnen zum Großgepäckschalter wo der E-Rolli abgegeben wird. Die Sicherung muss entfernt werden. Weiters benötigt man ein Dokument, dass die Batterie eine Trockenbatterie ist (bekommt man vom Hersteller). Ich wechselte dann in meinen mechanischen Rollstuhl (ohne Therapietisch). Der Assistance Mitarbeiter führte mich nun in meinem Rollstuhl (es gäbe auch Leihrollstühle) - bei meiner Breite aber eher unsicher - vom Check-in durch die Sicherheitskontrolle. Von dort zum Gate. Hier gibt es dann noch ein behindertengerechtes WC, das ich benutzte.

Wir fliegen ab

Nach Start des Boardings darf man als Erster in den Flieger. Hier kommt bei der Assistenz noch ein weiterer Kollege mit einem Spezialsessel. Direkt bei der Fliegertüre wechselt man vom eigenen Rollstuhl in den Spezialsessel mit dem man bis zum Sitz gefahren wird. Ich ging aber mit dem Stock bis zum Sitz. Der Rollstuhl wird nun zusammengeklappt und in den Flieger verladen. Sitzkissen und 4-Punktstock kam mit in den Flieger, zusätzlich zum Handgepäck. Dann kamen die weiteren Mitreisenden. Es waren alle sehr freundlich und umsorgend. Ich sitze in der dritten Reihe, was mir rückblickend lieber war als die erste Reihe. Die erste Reihe hat zwar natürlich wesentlich mehr Fußfreiheit, der Nachteil ist aber, dass man dort die Armlehne zwischen den Sitzen nicht hochklappen kann und damit in den Sitz eingesperrt ist - bei meiner Breite nicht ideal.

Nach 2 Std 30 landeten wir in Palma de Mallorca. Der Flug war sehr ruhig. Nun steigen alle anderen zuerst aus. In der Zwischenzeit wird mit Spezialfahrzeug der E-Rolli vom Flugzeug ausgeladen. Dann geht man auf der anderen Seite der Eingangstüre durch die Küche bei einer Cateringtüre aus dem Flieger. Ich ging mit dem Stock raus. In dem Spezialfahrzeug standen schon meine beiden Rollstühle mit dem Therapietisch. Dort setzte ich mich wieder in meinen Rollstuhl. Meine Frau legte vorher das Sitzkissen hin, welches ja im Handgepäck war. Das Spezialfahrzeug dockt dann vom Flugzeug ab und fährt in Begleitung eines Assistence Service Mitarbeiters zu dem Punkt, wo die Passagiere aus dem Flieger kommen. Wir gaben die Sicherung wieder in den E-Rolli und gingen nur mit unseren Freunden, ohne Assistance, weiter zum Gepäckband. Vorher noch zum behindertengerechten WC, was ja im Flieger nicht ging, da zu eng. Mit dem Gepäck bewaffnet gingen wir durch den Zoll. Dort gingen wir zum Schalter unseres Veranstalters und wurden zu einem weiteren Schalter verwiesen. Dort angelangt bezahlten wir den Sondertransport.

Das Hotel

Der Fahrer war in 5 Minuten da und geleitete uns zum Fahrzeug. Dies war ein Volkswagen Multivan oder ähnlich mit einer Rampe hinten, wo ich bequem hineinfahren konnte. Es hatten außer uns beiden auch der zweite zusammengeklappte Rollstuhl und unsere drei Koffer Platz. Nach einer Stunde Fahrt kamen wir ins Hotel. Die Rezeptionistin wartete schon auf uns und erklärte uns, dass es das Nachtmahl nur bis 20:30 also noch ca. 30 Minuten gab. Dies war uns mal egal und wir warteten bis alle Freunde ankamen. Während unserem Sondertransfer vom Flughafen, holten unsere Freunde ihre Leihwagen und die angemieteten Golfschläger.

Um in das Hotel zu gelangen, musste ich auf der Straße ca. 50 m bis zur nächsten Kreuzung fahren, da der Randstein direkt vor dem Hotel nicht abgesenkt war. Bei jeder Kreuzung ist das aber so.

Zur Rezeption gab es dann eine Rampe. Nun muss ich anmerken, dass mein Elektrorollstuhl 73 cm breit ist, mit montiertem Therapietisch 78 cm. Der mechanische Rollstuhl ist ohne Tisch 78 cm breit. Wir haben die Türbreite vorher ausgekundschaftet. Uns wurde über all 80 cm Türen zugesichert.

Wir erhielten unseren Zimmerschlüssel für den 3. Stock. In den Lift hinein, von dort ins stark klimatisierte Zimmer - konnte man aber gut einstellen. Das Gepäck brachte uns der Waiter rauf. Das Apartment bestand aus einem eigenen Schlafraum und Wohnraum. Die Eingangstüre war zwar 80 cm, da die Tür jedoch nicht ganz aufgeht war die Durchfahrtsmöglichkeit 77 cm. Im WC gab es beidseitige Haltegriffe, jedoch einen 2 cm Staffel ins Bad/WC. Rund um die Duschtasse war ein ca. 2 cm hoher Fliesenrand. Im Bad waren in der Dusche eine Antirutschmatte und ein Saugknopfgriff, ein abklappbarer Duschsitz aus Metall, leider keine weiteren Handgriffe. Für mich, der etwas gehen kann, in Summe machbar. Die Fliesen waren außerhalb der Antirutschmatte extrem rutschig.

Nach Eintreffen unserer Freunde genossen wir das Nachtmahl. Das Personal hatte auf uns gewartet. Der Speisesaal liegt im Keller. Auch sehr gut klimatisiert. Das Nachtmahlessen bestand aus einer Vielzahl von warmen Gerichten, wobei noch zwei weitere vom Koch vor uns zubereitet wurden (Fleisch, Fisch) je nach Tag. Es gab weiters ein üppiges Vorspeisenbuffet als auch ein üppiges Nachspeisenbuffet.Es ging nichts aus. Die Gänge waren für meinen E-Rolli breit genug. Ich erreichte alles, sodass ich mir alleine das Essen holen konnte. Die Getränke wurden vom Kellner gebracht und aufs Zimmer gebucht.

Dann räumten wir die Koffer aus. In der Hotelbar tranken wir dann unseren ersten Sangria. Wir entdeckten, dass gegenüber gleich ein Spar war. Der Weg aus dem Hotel auf die Strandpromenade neben dem Pool war ebenfalls mit Rampen ausgestattet. Das Frühstück fand ebenfalls im Speisesaal statt. Sehr üppiges Buffet. Alles was man sich denken konnte.

Pool und Strand

Beim Pool war herum eine Stufe. Es gab einen Hebelift in den Pool, zu dem man aber vorher die Stufe überwinden musste. Es gab auch eine Stiege in den Pool. Der Handlauf begann jedoch nicht ganz am Anfang und ging nicht bis zur letzten Stufe. Die Stufen waren gefühlt doppelt so tief wie bei uns. Es gab nur einen Handlauf in der Mitte.

Der Lift hatte eine Tragekraft bis 120 kg. Mir war das Wasser sowieso zu kalt. Wusste ich vorher schon. Ich bin ein Warmwasserbader. Rund ums Pool gab es ausreichend Liegen und Sonnenschirme. Wir mussten nichts frühzeitig reservieren. Die Strandliegen sind wie immer sehr tief.

Am Strand, ca. 30 m entfernt vom Pool, gab es eine Rampe in den Sand. Dort endet die Fahrt. Es gab ein Fahrzeug, in das man sich umsetzen konnte. Die Strandjungs würden sie dann durchs Wasser ziehen (angeblich). Das Fahrzeug hatte auch Schwimmeinrichtungen. Mir wäre das Meer sowieso zu kalt gewesen. Ist aber mein Problem.

Im Keller gab es ein beheiztes in-Door Pool, ebenfalls mit hohen Stufen und einem wackeligen Handlauf sowie Hebelift, der jedoch leider die letzte Drehung nur mit Hilfe schaffte - war ein wenig undicht, das funktioniert mit Wasserdruck ohne Strom. Eigentlich praktisch und sicher. Diesen Pool benutzte ich mit Hilfe meiner Freunde mehrfach im Urlaub. Der Pool war ein wenig zu seicht aber ansich sehr brauchbar, mit Handläufen. Angenehm warm.

Es gab beim Pool noch einen Tischtennistisch im Freien, eigentlich gut windgeschützt, über Mittag in der Sonne, aber egal. Der Pool war in der Früh im Schatten, passte eh so, sonst schön sonnig. Wir hatten vom Pool aus Blick auf den Strand auch vom Zimmer aus. Die gesamte Anlage machte einen sehr gepflegten Eindruck.

Reiseleitung und Rückreise

Nach ein paar Tagen nahmen wir Kontakt mit der Dame der Reisevertretung auf und erkundigten uns um den Termin der Abholung. Weiters klärten wir mit dem Hotel, dass wir unser Zimmer für einen kleinen Aufpreis von EUR 19,-- bis zur Abfahrt 15:00 Uhr behalten durften. So war der letzte Tag auch noch ein bisschen Badetag. Die Abholung vom Hotel funktionierte anstandslos. Der Chauffeur, der uns gebracht hatte, brachte uns auch zurück und war bereits 30 Minuten vor geplanter Abreise anwesend. Wir luden den Wagen wieder an und fuhren zum Flughafen.

Da unsere Freunde noch das Auto wegbringen mussten, waren wir beim Eintreffen am Airport nur zu zweit. Wir suchten eine Information, dort sagte man uns die Check-in Nummer und zeigte uns die Säule wo man das Rollstuhlservice anrufen konnte. Der Mitarbeiter kam ca. 5 Minuten später. Wir fuhren zum Check-in und durften uns vor allen schon Anstehenden anstellen. Der Check-In war noch geschlossen. Nach Öffnen des Check-Ins wurde wieder das Rollstuhlservice gerufen. Ein Mitarbeiter holte den E-Rolli und gab ihn auf, brachte uns mit dem manuellen Rolli durch die Sicherheitskontrolle und ging mit uns zum Gate. Ich glaube, es war das Entfernteste, dass  es gibt. Dort benutzten wir noch das behindertengerechte WC. Wir wurden wieder von einem Mitarbeiter zum Flieger gebracht. Rest wie beim hinfliegen.

Beim Landen in Wien wurde wieder das Sonderfahrzeug gebracht. Beim Umsteigen warteten schon meine Rollis. Der Herr des Mobilitätsservices brachte uns zum Gepäck und begleitete uns durchgängig. Leider war mein Therapietisch verschwunden. Er zeigte uns, wo wir uns beim lost and found Schalter anstellen sollen bzw. brachte uns an den Anfang der Schlange. Er wartete geduldig bis alles aufgenommen war.

Der Fahrtendienst wartete schon. Ich hatte schon telefonischen Kontakt mit ihm. Zwei Tage später kam der Therapietisch. Okay, das war in 15 Jahren Flugerfahrung in die ganze Welt das erste Gepäckstückte, das fehlte. Musste ja irgendwann mal passieren. Trotz aufregenden Zeiten bei Flug und Vorbereitungen ging eigentlich alles reibungslos. Meine Hauptreiseart wird es trotzdem nicht.

Thomas Feige

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