Die Küche

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+43 1 236 1000

Address

Schottenring 24
1010 Wien
Österreich

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Restaurant
Haupteingang (ebenerdig)
Barrierefreies WC
für 2+ Rollstühle geeignet

Kritik

Die richtige Wahl eines Restaurants für ein Geburtstagsessen muss gelingen. Hotel-Restaurants bieten sich dazu an, da sie ein eigenes Flair für einen besonderen Anlass haben. Die Wahl fiel auf Die Küche im Palais Hansen Kempinski. Das Essen war so ausgezeichnet, dass es sogar ein kleinwenig das unaufmerksame Service relativieren konnte.

Die Reservierung per E-Mail wird offensichtlich in ein Reservierungssystem übernommen, wodurch man nur eine unpersönliche Bestätigung erhält, die man schließlich gar nicht benötigt. Denn nachdem man gefühlte fünf Minuten bei einem nicht besetzten Empfang gewartet hat, wird man weder nach Namen oder Reservierung gefragt: "Es ist so wenig los, dass Sie sich sogar einen Tisch aussuchen können" heißt es nur. Schade, dass damit die Chance vergeben wird, den Geburtstag eines Gasts zu nutzen, um durch einen Glückwunsch oder eine kleine Überraschung aus der Küche, eine nette Erinnerung zu schaffen oder überhaupt einem Besuch einen persönlichen Touch zu geben.

Die Karte, die auf einer A4-Seite - unterteilt in Vor- und Hauptspeisen - Platz findet, ist sehr gut zusammen gestellt und wurde um ein Special zur Trüffel Zeit um Speisen mit weißer Alba-Trüffel ausgezeichnet ergänzt. Als Weinkarte wird ein iPad gereicht, was eine witzige Idee ist und die Suche erleichtern soll. Leider muss man viel zu lange Warten, um den gewählten Wein dann schließlich bestellen zu können.

Als Vorspeise sollte man das Tartar vom Wienerwald Weiderind schon alleine deswegen einmal versuchen, weil dafür ein Koch mit Gewürzen und Zutaten an den Tisch kommt und es nach individuellen Geschmack zubereitet. Die gepackenen Champignons mit dem ausgezeichneten Selleriesalat sind eine ebenso gute Wahl. Das Stubenkücken vom Rotisserieofen war perfekt und das Süßerdäpfelpürre war einige Zeit das Thema des Abends und landete auf der Liste mit Speisen, die man unbedingt nachkochen möchte. Auf jeden Fall sollte man sich einmal ein Gericht mit Trüffel gönnen. Das Risotto war traumhaft und mit den nach eigenem Ermessen exakt abgehobelten und abgewogenen 4 g Trüffel gerade richtig.

Das Dessert, und hier kommt wieder Service ins Spiel, muss man sich verdienen, indem man seinen Tisch verlässt und sich auf Personalsuche begibt um es überhaupt bestellen zu können. Wird der Wunsch dann erkannt, kommt der Patissier zum Tisch und zählt seine Kreationen auf. Das einzige was man an den köstlichen Desserts wie Zimtmousse auf Zwetschkenröster oder Pistazien Creme Brulé aussetzen könnte ist deren überdurchschnittliche Größe.

Das Personal ist freundlich, aber man muss ihm im wahrsten Sinne des Wortes nachlaufen. Gerade, wenn die Gläser schon leer sind, man ein Dessert bestellen oder die Rechnung haben möchte, ist das lästig und passt zu einem Restaurant dieser Klasse überhaupt nicht. Offenbar liegt es nicht daran, dass zu wenig Personal vorhanden oder zu viel los ist, sondern eher daran, dass noch Erfahrung, Routine und vor allem Aufmerksamkeit fehlen. Wenn beispielsweise ein Gedeck durch die Unterseite eines Vorspeisentellers schmutzig wurde und der Gast darauf aufmerksam macht, kann das nicht zur Kenntnis genommen werden ohne es zu beseitigen.

Man kann nur erahnen, welches Potenzial Die Küche hat, wenn das Service dem hohen Nieveau der Gerichte und des schönen Ambientes ebenbürtig wäre. Bis dahin ist die Küche zumindest einen Besuch für einen Business Lunch auf jeden Fall wert.

roomchooser, 2. Jänner 2015