Berlin

4 Tage in Berlin

von Ing. Thomas Feige

Ich sitze nach einem Schlaganfall seit 02/2011 im Rollstuhl. Das war mein zweiter Flug: Von Wien nach Berlin Tegel mit Austrian Airlines.

Deutschland wurde uns auf Grund der behindertengerechten Ausführungen und der Nähe bei Flügen empfohlen. Meine Frau wollte dort immer schon mal hin ich habe ihr von meinem ersten Besuch erzählt. Ich war schon mal dort, um 1990 knapp nach der Öffnung. Wir flogen zu zweit in den Urlaub. Das Hotel wählte meine Frau aus Aufgrund guter Erfahrung mit der Melia-Gruppe in Bali (vor meiner Rollstuhlzeit) aus.

Vorbereitungen

Da ich zwei Rollstühle mitnehmen wollte, einen E-Rolli 100, einen mechanischen Rollstuhl und mein Therapieplatte zum Auflegen der Hand sowie eigenen Duschsessel kam doch ein wenig Gepäck zusammen. Die Planungen für Transport vom Flughafen zum Hotel und zurück machte alles das Reisebüro. Auch die Anmeldung der Rollstühle bei der Airline wurde durch das Reisebüro durchgeführt.

Abflug

Es gibt im Parkhaus 3 eine eigene Ebene mit unzähligen Behinderten-Parkplätzen. Man muss aber sagen dass das doch recht teuer ist. Und der Weg vom Parkhaus bis zum Check-In ist sicher 250 m. Wir fuhren mit Fahrtendienst hin und zurück, 2 x € 55. Es gibt im Terminal 3 einen eigen Check-In für Rollstuhl-Fahrer. Ca. 1,5 Std. vor Abflug kommt der Assitance-Service-Mitarbeiter wieder und geht mit zum Großgepäckschalter wo der E-Rolli abgegeben wird. Die Sicherung Muss entfernt werden. Weiteres benötigt man ein Dokument, dass die Batterie eine Trockenbatterie ist (kriegt man vom Hersteller).

Ich wechselte dann in meinen mechanischen Rollstuhl (ohne Therapietisch). Der Assitance Mitarbeiter führte mich nun in meinem Rollstuhl (gäbe auch Leihrollstühle)durch die Sicherheitskontrolle. Von dort zum Check-In. Hier gibt es dann noch ein behindertengerechtes Klo. Nach Start des Boardings darf man als erstes in den Flieger. Hier kommt bei der Assistenz ein weiterer Kollege mit einem Spezialsessel. Direkt bei der Fliegertüre wechselt mann von eigenem Rollstuhl in den Spezialsessel mit dem man bis zum Sitz gefahren wird. Ich ging mit dem Stock bis zum Sitz hin. Der Rollstuhl wird nun zusammengeklappt und in den Flieger verladen. Sitzkissen und 4-Punktstock kam mit in den Flieger als Gepäck für die Ablage.

Dann kamen die weiteren Mitreisenden. Es war alle sehr freundlich und umsorgend. Wir saßen in der 5. Reihe, was mir rückblinkend eh lieber war als die 1. Reihe. Sie hat zwar natürlich wesentlich mehr Fußfreiheit, aber der Nachteil ist, dass man dort die Armlehne zwischen den Sitzen nicht hochklappen kann.

Wir fliegen ab. Nach 1 Std. 15 landeten wir in Berlin. Der Flug war sehr ruhig. Nun steigen alle anderen zuerst aus. In der Zwischenzeit wird mit Spezialfahrzeug der E-Rolli vom Flugzeug ausgeladen. Ich ging mit dem Stock raus. Beim Ausstieg stand schon mein Rollstuhl (mechanisch). Dort setzte ich mich wieder in meinem Rollstuhl. Das Spezialfahrzeug dockt dann vom Flugzeug ab und fährt zu dem Punkt wo die Passagiere aus dem Flieger kommen. Von dort gingen wir zum Gepäckband Dort erhielt ich auch den E-Rolli samt Therapietisch wieder.

Ab ins Hotel

Mit dem Gepäck bewaffnet gingen wir den Zoll. Hier erwartete uns schon der Fahrer des bestellten Transports. Er geleitete uns zum Fahrzeug. Dies war ein Volkswagen Multivan oder ähnlich mit einer Rampe hinten, wo ich bequem hineinfahren konnte. Es hatte auch der zweite zusammengeklappte Rollstuhl und unsere 3 Koffer Platz.

Zur Einfahrt in das Hotel musste ich 10 m bis zur nächsten Kreuzung fahren, da der Randstein direkt vorm Hotel nicht abgesenkt war. Wir erhielten unseren Zimmerschlüssel. Mit dem Lift konnte ich Problemlos bis zum Zimmer im 6. Stock fahren. Das Gepäck brachte uns ein Mitarbeiter rauf. Alle Türen, inkl. Badezimmer mit Schiebetüre, waren breit genug. Im Badezimmer als auch im Duschraum konnte man ohne Probleme mit dem Rolli wenden. Im Klo gab es beidseitige Haltegriffen und keinerlei Hindernisse. Im Bad war in der Dusche ein Duschsitz zum Klappen vorhanden, sowie eine Haltestange den Duschbereich entlang.

Das Restaurant war im 1. Stock und völlig barrierefrei. Hier gab es auch das Frühstück. Auch ein barrierefreies WC gab es etwas hinten im gleichen Stock. Das Frühstück, auch hier im Restaurant, war über voll mit allen erdenklichen Leckerbissen.

Gleich in der Nähe war ein Steakhouse mit barrierefreiem WC. Im Hotel war noch eine Mexikanisches Tapas-Restaurant. U-Bahn und McDonald's in 3 bis 5 Minuten zu Fuß. Zum Brandenburgertor, Parlament, 15 Minuten zu Fuß. Also in Summe sehr zentral.

Ein Ausflug

Nach 2 Tagen hatten wir einen eintägigen Ausflug bestellt. Mit Fahrer, Reiseleiter und geeignetem Fahrzeug zum Ein- und Aussteigen. Das war in Summe extrem toll. Wir hätten sonst nie so viel gesehen und erfahren. Wir besuchten

  • Pernauerstrasse
  • East Side Gallery
  • Sowjetdenkmal
  • Potsdam
  • San Souci
  • Kurfürstendam

mit dem Fahrer und fuhren quer durch Berlin.

Alle weiteren Sehenswürdigkeiten, wie Potsdamerplatz, Parlament, hektischer Markt etc. machten wir allein. Vorallem viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wir fuhren viel mit U-Bahn /S-Bahn und Autobus. Hier gibt es tolle Apps dazu mit Infos über Barrierefreiheit etc. Das Personal am Bahnsteig war extrem behilflich. Bei allen Stationen in der U-Bahn wurden zum Ein- und Aussteigen kleine Rampen zum Überwinden etwaiger Höhenunterschiede und Spalten gebracht.

Rückflug

Zur Rückfahrt holte uns zeitgerecht der bestellte Transport ab. Am Flughafen Tegel angekommen suchten wir unseren Check in. Das funktioniert hier etwas anders als in Wien. Bei dem Check-In in Halle A docken die Flugzeuge an. Vom Check-in geht es direkt zum Flieger. Jeder Check-In hat seinen eigenen Andockfinger. Es gibt aber noch zwei weitere Check-in-Hallen. Wir suchten das in der U-Bahn, das uns dann sehr geholfen hat.

Da die AUA Verspätung hatte, wurde der Check-In verlegt. Zuerst zum Neben-Check-In, dann in die andere Halle. Dies wäre ohne Assistance Service für mich und meine Frau alleine nicht bewältigbar gewesen.

Nach öffnen des Check-Ins wurde wieder das Rollstuhlservice gerufen. Ein Mitarbeiter holte den E-Rolli und wir wurden zum Flieger gebracht. Beim Landen in Wien wurde wieder das Sonderfahrzeug gebracht. Beim Ausssteigen warteten schon mein mechanischer Rollstuhl. Den Rest haben wir dann beim Gepäckband bzw. Schwergepäckschalter bekommen. Der Herr des Services brachte uns zum Gepäck und begleitete uns durchgängig. Meine Hauptreiseart wird es trotzdem nicht.

Durch das Wetterglück, die einzige sonnige Woche im September dieses Jahr, ist das ein ein unvergessliches Erlebnis gewesen. Berlin kann ich nur jedem Empfehlen. Die Zimmer waren klimatisiert, mit TV und Minibar ausgestattet. In Summe ein tolles Hotel.

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